Sunday, September 11, 2016

Tag 11 - alles Glück der Erde

Zeit für eine Beichte - ich liebe Hector. Er hat lange blonde Haare, ist verfressen, gut zu Fuß, ein Model für Hermés und kann tölten wie ein junger Vikingergott. Er ist das perfekte Islandpferd. Und wenn hier irgendjemand Pony sagt, gibt´s Dresche!

Wir machten unseren Ausdruck zu zweit, zusammen mit den beiden deutschen Guides vom Hof, Sonja und Jana. Der Hof bietet anscheinend immer so kleine Touren, was enorm angenehm ist. Kast Guesthouse, lohnt sich.

Es ging in einer großen Runde durch die Wiesen und entlang kleiner Seen zwischen Lysopass und Straße sowie ein klein wenig durch ein Lavafeld. Durch ein Lavapferd zu reiten, ist einzigartig. Es ist nicht einmal ansatzweise ein Pfad zu sehen, Isis finden trotzdem sicher ihren Weg.

Am Ende des Ausritts fing ich an, Janis zu belatschern, dass wir am nächsten Tag noch Mal eine Runde reiten würden, trotz des Umstandes, dass wir nach Reykjavik mussten. (Spoiler, ich hatte am nächsten Tag noch einmal zweieinhalb Stunden mit Hector).

Dem Bericht über den folgenden Streckenabschnitt stelle ich ein Zitat aus dem Müller, den besten Reiseführer über Island, voran: "Knapp 1 km östlich des Ortseingangs von Olafsvik zweigt von der Straß 574 die Jeeppiste 570 ab, die über den Bergpass Jökulhals in 700 - 800 m Höhe am Gletscher vorbei an die Südküste bei Arnastapi auf die Straße 574 führt. Von dieser vorsichtig auch mit PKW zu befahrenden Piste (ab Juni) führen zwei Hauptwanderwege nach Südwesten bzw. Westen auf den Gletscher." Der Müller ist immer zuverlässig in seinen Angaben, mit Vorsicht ging die Piste. Wir fuhren sie, weil auch das Kast auf der Südküste liegt, von Süden her und sie belohnte die Mühe mit großartigen Ausblicken und Farben.





Danach hatte sich Otti 2, mal wieder, eine Dusche verdient.

Diese bekam er in Olafsvik, von wo aus wir wieder im Uhrzeigersinn Richtung Süden führen. Im Müller hatte Janis von einem Krater namens Holarholar gelesen, in dem man sogar mit dem Auto fahren kann. Allein schon der Name war für mich Anlass genug, Otti 2 auf die wirklich harmlose kurze Schotterpiste zu lenken. Wir hatten den Ort für uns allein und waren begeistert.

Blick aus dem Krater auf den Snaefellsjökull, der eigentlich immer seine Nase in den Wolken hat.

Von dort aus fuhren wir nach Hellnar, wo wir einen Stop im Fjurohusid machten und die Fischsuppe aßen, die zu Recht einen sehr guten Ruf hat.

Frisch gestärkt hielten wir an der Raudfeldar-Schlucht, die eine Empfehlung von unseren Mitreitern in Thingeyri war. Und der Stop hat sich gelohnt und zwar nicht nur, weil wir erneut auf die französischen Radfahrer trafen. Ist zwar ein bisserl eng und man muss auf kleinen Felsen durch den Bach hoch bzw. runter, aber es lohnt sich.

Ich hatte Spaß. Für den Pullover habe ich am folgenden Tag wieder Komplimente gesammelt, er wurde als der schönste Lopapeysa befunden, den man bisher auf Island gesehen habe. Mein Strickerherz war stolz wie Bolle.
Ein kleiner Zwischenstop, weil Snaefellsjökull...



Wir setzten unseren Zickzackurs um Snaefellsness fort und nahmen die Passstraße 54 nach Norden. Gegen Ende fragte ich mich, warum wir Otti 2 geduscht hatten, mit Schotterpiste zum Schluss hatten wir nicht gerechnet. Die war total einfach und hatte noch nicht mal Schlaglöcher, aber staubig ist die Fahrt dann trotzdem. Und für ungeübte Islandfahrer auch beängstigend, wie der eine Fahrer vor mir bewies. Ich war brav und habe ihn nicht angeschoben. Irgendwann ließ er mich trotzdem entnervt vorbei.

Nächster Halt war am Kirkujefell. Diesen Berg kennt jeder, nicht dem Namen nach, aber Fotos hat man gesehen. Beim ersten Besuch habe ich wegen des Windes kaum die Autotür aufgekommen, dieses Mal war alles besser. Bis auf drei dumme Weiber, die zwischendurch meine Geduld testeten und mitten in der Fotolinie rumtanzen mussten.

Folgendes sollte man beachten:


Dann kann man den Ort genießen.




So was passiert, wenn man die Belichtungskorrektur nicht wieder umstellt. Ein Hoch auf Digitalkameras und die Möglichkeit, jedes Bild sofort überprüfen zu können. Sieht aber trotzdem irgendwie cool aus.
Irgendwie mussten wir wieder vom Norden in den Süden kommen, außerdem sagte so langsam der Magen, dass er sich riesig über Essen freuen würde. Wir entschieden uns dagegen, nach Stykkisholmur in das großartige Restaurant vom letzten Jahr zu fahren, da der Weg nach Hause zu lang werden würde. Also ging es direkt über die 56 und durch die Berserkjahraun. Dieses Gebiet soll entstanden sein, als zwei von einem Bauern als Sklaven gehaltene Berserker im Gegenzug für ihre Freiheit einen Weg durch die Lava schlugen. Den Weg schlugen sie, ihre Freiheit erhielten sie nicht, sondern wurden vom Bauern erschlagen.



Zuhause im Kast schmeckte der Fisch und ich warb eine etwas breit geratene Amerikanerin für einen Ritt auf dem Reiterhof. Der steht zwar nicht im Lonely Planet, sie ließ sich aber, ohne große Schwierigkeiten, davon überzeugen, dass das kein schlechtes Zeichen sein muss. Mit Vorfreude auf Hector schlief ich ein.





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