01.06. - Exceptionally rough conditions
Ich hatte bereits erwähnt, dass wir ein Ausflugspaket gebucht haben. Neben der Gletscherwanderung und der Fahrt auf der Gletscherlagune gehörten dazu auch noch eine Walbeobachtung und, für unseren vorletzten Tag, eine Wanderung durch die Höhle Vatnshellir im Gebiet der Halbinsel Snaefellsness. Die Walbeobachtung stand für den Morgen des 01.06. auf dem Plan, also starteten wir verhältnismäßig früh von Akureyri in Richtung Dalvik, von wo aus das alte Walfangboot fahren sollte.
Bereits auf der Fahrt war klar, dass die Fahrt stürmisch, kalt und nass von oben werden würde. Auf sowas sind die Veranstalter natürlich vorbereitet, so dass wir als warm verpackte Teletubbies an Bord gingen.

Es ging hoch und runter, Gischt im Gesicht und dank Super Pep sagte ich meinem Frühstück nicht noch einmal "Guten Morgen". Anderen ging es nicht ganz so gut, eine Frau einer amerikanischen Reisegruppe wünschte sich irgendwann ganz weit weg. Leider sorgte das für ein vorzeitiges Ende der Fahrt, aber vorher kamen einige Rufe von den Führern der Waltour, die nach dem Uhrzeigermethode ausriefen, in welcher Richtung gerade ein Buckelwal das schlechte Wetter ausprobieren wollte. Jetzt kann ich also auch endlich das Thema "Wal sehen" auf meiner Liste abhaken. Fotos habe ich leider keine, ich hielt es für wichtiger, mich bei dem Seegang ordentlich festzuhalten. Wieder an Land meinte dann auch einer der Führer, dass dies "exceptionally rough conditions" gewesen seien und sie kurz davor waren, die Fahrt abzusagen.
Nach heißer Schoki und Keksen zum Aufwärmen setzten wir unsere Reise in den Westen Islands fort. So langsam wurde es richtig menschenleer. In der Nähe der Ortschaft Gröf hielten wir an, um auf einem Feld die winzigkleine Grafakirkja zu besichtigen. Sie ist so klein, dass selbst ich in die Knie gehen musste, um mir nicht den Kopf am Türrahmen oder den Dachbalken zu stoßen. Diese Grassodenkirche ist eine der ältesten Kirchen Islands, im 17. Jahrhundert gebaut, zwischenzeitlich entweiht und als Viehstall genutzt. Mittlerweile ist sie restauriert und 1953 wurde sie erneut geweiht.




Auch unser nächster Halt war ein Ausflug in Islands Geschichte. Es gibt vergleichsweise wenig alte Gebäude auf Island. Dies liegt daran, dass Gebäude bis in 19. Jahrhundert alle auf dieselbe Weise gebaut wurden, nämlich aus geschichtetem Torf und Grassoden, die teilweise von innen mit Holz verkleidet wurden. Holz war ein schwer zu bekommender Baustoff, besonders im Norden hat man sich gern an dem Holz bedient, was vom Meer angespült wurde. Wir haben unterwegs in den Westfjorden viel Treibholz gesehen, was im Laufe mehrerer Jahre von Sibirien her angeschwemmt wird. Aber, ich schweife ab - unser nächster Halt war in Glaubaer. Dies ist ein Grassodenhof größeren Ausmaßes, was auf einen reichen Hof hindeutet. Er wurde erhalten bzw. restauriert und ist jetzt mit Möbeln aus dem 19. Jahrhundert eingerichtet, so dass Besucher einen Eindruck davon gewinnen können, wie auf Island bis Anfang des 20. Jahrhundert gelebt wurde.
Das hier ist der Seiteneingang des Hofes, die Südtür, die als Zugang genutzt wurde, um Wasser in das Haus und Asche hinaus zu tragen. Der Giebel links gehört zur guten Kammer, die später angebaut wurde, in ihr schliefen die Hofherren.
Dies sind die Außenwände der verschieden Vorratskammern bzw. Räume des Hauses.
Dies ist, vom "Haupt"-Eingang her gesehen der Gang, der alle Räume des Bauernhofes miteinander verbindet. Ganz am Ende ist der Mittelteil der Badstofa zu sehen, links davon ist die gute Kammer, rechts geht ein weiterer Raum ab. Der Badstofa ist in isländischen Häusern im wahrsten Sinne des Wortes das Wohnzimmer, dort hat sich der Großteil des Lebens im Haus abgespielt. An beiden Längswänden befinden sich Schlafbuchten, im Fall von Glaumbaer sind es insgesamt elf Betten. Auf den Betten wurde gearbeitet, gegegessen und auch geschlafen. Oft genug haben in einem Bett zwei Menschen geschlafen, also nicht nur die Hausherren waren im Badstofa, sondern auch das Gesinde. Kuschelig.

Wir fuhren anschließend im Örtchen Blönduós vorbei. Dort gibt es ein Textilmuseum, durch das ich innerhalb von 30 Minuten durchrennen musste, auch wenn ich in diesem kleinen Gebäude gut und gern ein paar Stunden verbracht hätte. Dass man dort alles anfassen kann, solange man die reichlich vorhandenen Stoffhandschuhe trägt, machte es zu einem Paradies für mich. Zu meiner Überraschung wird auch auf Island geklöppelt und ich verbrachte ein paar Minuten damit, die drei Klöppelsäcke mit angefangenen Spitzen zu bewundern. In einem anderen Raum gab es verschiedene Exemplare der reich bestickten isländischen Nationaltracht, in wieder einem anderen Raum wunderbar bestickte Alltagswäsche, außerdem gab es natürlich auch einen Raum für isländische Wollwaren. Zwei Räume waren Halldora Bjanadottir gewidmet, einer Kunsthandwerkerin und Frauenrechtlerin. Faszinierende Persönlichkeit, mit deren Leben und Wirken ich mich gern länger auseinandergesetzt hätte. Aber wir mussten ja noch an unseren Übernachtungsort kommen... Die Ansage im in dieser Hinsicht sehr präzisen Reiseplaner war, dass wir genügend Reisezeit einplanen sollten.
Unser Dach überm Kopf für die Nacht befand sich in Drangsnes. Dafür mussten wir über Holmavik durch die Tröllatungaheidi fahren. Klingt wie troll, also etwas unangenehm, und diese Hochebene versüßte uns die Fahrt dann auch mit etwas Schnee und starkem Wind.
Endlich nach Drangsnes verweht, trauten wir uns nach dem Abendessen raus an die Luft, aber nicht ins warme Wasser. Der Weg von der Umkleide in die Hot Pots war uns zu weit.
Statistik: Fosse: 0, Anhalter: 0, Hot Pots: 0 (nicht reingehen zählt nicht), km-Stand: 2.622,2