Sunday, June 14, 2015

05.06. - are there any puffins?

Von Patreksfjördur aus kann man, für isländische Verhältnisse, gut Latrabjerg erreichen, den westlichsten Zipfel Europas und an den Klippen Heimat für unendlich viele Vögel. Besonders beliebtes Fotomotiv sind Puffins, Papageientaucher. Ein Pärchen hat sich gleich vorn in der Nähe des Parkplatzes einquartiert, damit man nach 60km und anderthalb Stunden Fahrt gleich was Schönes sieht.


Die Landschaft war auch recht nett. Da rechts schlängelt sich übrigens die Straße nach Latrabjerg entlang.


In diesen Felsen brüten Papageientaucher, Möwen, Trottellummen, Eissturmvögel und Tordalken, einen Kolkraben haben wir auch gesehen.


 Es riecht etwas streng, denn diese Apartements haben zwar Meerblick, aber dafür auch nur ein Plumpsklo Richtung Meer.

Dafür gibt es Puffins!

 

Man kann nie genug Fotos von einem Papageientaucher haben!



Nach stundenlangem Wandern, Fotografieren und in meinem Fall auch noch Stricken kamen wir wieder am Parkplatz an. Eine Gruppe älterer Amerikaner war gerade eingetroffen und ein Herr dieser Gruppe fragte uns: "Are there any puffins?" Wir deuteten in Richtung des Empfangskomitees und versicherten ihm, dass es da so ein oder zwei gäbe.

Das ist übrigens Otti. Am Vorabend hatten wir ihn abgebraust, nach der Tour nach Latrabjerg hatte er sich wieder eine Dusche verdient.


 Auf dem Weg zurück hielten wir an der Spitze des Patreksfjördurs noch kurz bei der Gadar an, Islands ältestem Stahlschiff aus dem Jahr 1912. Laut Baedeker rottet sie vor sich ihn, allerdings war am Morgen erst der Anstrich erneuert worden. So oder so, mal wieder ein spannender Anblick.


Statistik: km-Stand: 3.442,2

04.06. - per aspera ad foss

Endlich, Sonne. So richtig und auch noch am Tag!

Den ersten Halt machten wir in der Nähe von Nupur, um den Ziergarten Skrudur zu besichtigen. Dieser wurde vor bald 100 Jahren von einem Pfarrer namens Sigtryggur Gudlangsson am Fuße eines Berges angelegt. Mittlerweile befindet sich der kleine Garten im Besitz der Stadt Isafjordur, die ein paar Fjorde entfernt liegt, trotzdem ist er liebevoll gepflegt. Alles war am Knospen, aber leider nicht am Blühen. Es ist nun einmal der kälteste Frühling seit Ewigkeiten. Aber, immerhin, es schien die Sonne und der Anblick mit den Bergen im Hintergrund war grandios.



 

Von dort ging es weiter nach Thingeyri, wo wir unter Führung eines Belgiers einen zweieinhalbstündigen Ausritt über Stock und Stein, durch Flüsse und am Strand unternahmen.




Mit belgischen Waffeln und Kaffee ging es gestärkt zurück auf das, was man in Island als Straße bezeichnet. Eine Hochlandschotterpiste, zum Teil mit meterhohem Schnee am Straßenrand, sich in schön engen Kurven entlang von Fjorden windet, links der steile Berg, rechts der Abhang Richtung Wasser... In dem Moment dachte ich wirklich, die wollen mich auf den Arm nehmen. Um über die Westfjorde zu kommen, braucht man gute Nerven und ganz viel Zeit. Aber, aufgeben fällt aus wegen starken Willens, ich fahre einmal um Island.

Dann tauchte am Ende eines Fjordes endlich die Belohnung für die Tortur auf, der meiner Ansicht nach schönste Wasserfall Islands, der Dynjandi.


Es brauchte dann aber noch zwanzig Minuten Fahrt und eine kleine Wanderung, bis wir auf einem kleinen Plateau direkt vor ihm standen.





 Weiter ging´s über Stock und Stein und auf einmal jammerte Otti los - nein, nicht wegen Glatteisgefahr, sondern irgendwas mit dem Reifendruck. So mitten im Nirgendwo oben auf dem Berg nicht gerade das, was man von seinem großartig zuverlässigen Mietwagen erzählt bekommen möchte. Was anderes als weiterfahren war aber nicht drin, also Zähne zusammenbeißen und weiterfahren. Und anhalten, weil man sowas sieht.



Wir hatten noch ein Stückchen Weg vor uns bis zu unserer Unterkunft Patreksfjördur, außerdem hatte Otti Aua, also startete ich ohne ein Bad mit Aussicht den Motor. Und weg war die Warnleuchte. Otti, verzeih, dass wir an Dir gezweifelt hatten.

Erleichtert machten wir dann einige Fjorde später einen Halt bei Pollurinn, dem Hot Pot bei Talknafjördur. Ein heißes Bad am Ende eines anstrengenden Tages mit Blick auf den Fjord? Alles, was fehlte, war ein kaltes Bier. Das hatten wir zwar im Kofferraum, als Fahrer kurz vorm Ende der Tagestour hielt ich mich aber lieber am Egils Malt fest.

Spät am Abend fanden wir uns an der Bar unseres Hotels in Patreksfjördur auf ein Freigetränk wieder. Weil das Housekeeping nicht fertig geworden war, gab es keine Zimmer mit Blick auf den Fjord, sondern für uns nur den Blick nach hinten auf eine Baustelle, außerdem fehlten die Kopfkissenbezüge (!), weshalb die Rezeption uns auf ein Getränk an die Bar einlud. Bei den Getränkepreise aus Island ist das eine ordentliche Entschuldigung, also zickten wir nicht, sondern setzten uns an die gutausgestattete Bar und bestellten jeder ein Bier. War eine glückliche Fügung, denn so kamen wir ins Schwätzen mit ein paar Fischern aus Patreksfjördur. Die Gespräche kreisten zwar hauptsächlich um das Thema Fußball, aber interessant war das trotzdem.

Statistik: Hot Pot: 1 (yeah!), km-Stand: 3.317,1




03.06. - Fisch

Wir sind mittlerweile wieder zurück in Berlin und gewöhnen uns langsam an zweistellige Temperaturen, aber die Zeit in Island wird uns noch lange begleiten. Hier also die Fortsetzung des Reiseberichtes.

Sudureyri ist ein Fischerörtchen und unser Guesthouse hieß auch noch Fisherman´s Guesthouse, was lag also näher, als während unseres Aufenthaltes dort "irgendwas mit Fischen" zu machen. Zu unserem Bedauern war die Mitfahrt auf einem Fischerboot leider nicht möglich, das hätten wir vorher organisieren müssen. Was aber ohne langen Vorlauf ging, war ein Besuch der örtlichen Fischfabrik. Es war interessant zu sehen, wie der fangfrische Fisch vom Hafenbecken nebenan komplett verarbeitet wird. Jedes Fitzelchen Fisch wird genutzt, Haut und Gräten werden zu Fischmehl verarbeitet und gehen nach Dänemark, die Köpfe werden getrocknet und nach Afrika verschifft, wo daraus Suppe gekocht wird. Das Fleisch wird je nach Bestellungen, Größe und Qualität als Frischfisch ausgeflogen oder geschnitten und tiefgefroren. Die Ladung, die während unserer Führung verarbeitet wurde, landet zu je 6 Filets tiefgefroren in Supermärkten in den USA.

Anschließend fuhren wir in den nächstgrößeren Ort Isafjordur, besuchten das kleine, aber feine und interessante Museum der Westfjorde und machten einen kleinen Spaziergang durch den Ort. In der wohl besten Bäckerei am Ort deckten wir uns mit leckeren Schweinereien für den Tag ein, Isländer können sehr gut süße Teilchen.


Das Thema Fische zog sich weiter durch den Tag, denn wir fuhren weiter den Fjord entlang nach Bolungarvik und besichtigten Osvör. Osvör ist der Nachbau einer Fischeransiedlung, bestehend aus der Fischerhütte, einem Lagerschuppen und einem Trockenhaus, an gleicher Stelle, in der während der Wintermonate Bauern wohnten und Fischfang betrieben.



In Bolungarvik trennten sich dann Janis und ich für eine halbe Stunde. Ich ging ins örtliche Schwimmbad und wärmte mich im Whirlpool auf, Janis fotografierte. Anschließend machten wir den kleinen Hafen unsicher und bewunderten mal wieder den Fang eines Fischerbootes. So ein frischgefangener Seeteufel sieht Klasse aus.

Zurück in Sudureyri folgte Teil 3 des Tagesthemas Fisch. Im Guesthouse liehen wir uns zwei Angeln aus und stellten uns ans Hafenbecken um zu "blinkern". Das erste Mal, das ich eine Angel in der Hand hielt und den Haken ins Wasser warf, führte zu diesem Ergebnis:


Mein Fotograf hatte selbst grad nen Fang an der Angel, weshalb er sich nicht so sehr auf die Aufnahme konzentriert hat. Aber da links unterhalb der Mauer, da ist der erste Fang meines Lebens. Nicht besonders groß, aber selbst gefangen. Gleich nach dieser Aufnahme landete er wieder im Wasser. Mein zweiter Fang war schon deutlich größer, aber auch da war Janis wieder mit seiner eigenen Angel beschäftigt.

Nach Abendessen und Feierabendbier lockte uns die ungewohnte Helligkeit (Sonne!) ans Ende des Fjordes, wo uns um 23.00 Uhr Ortszeit dieser Anblick erwartete.



Statistik: Hot Pots: 0,5 (war kein echter draußen in der Natur, deshalb zählt er nicht ganz), km-Stand: 3.72,1

Monday, June 8, 2015

So langsam heißt es Abschied nehmen

Ich weiß, dass ich massiv hinterher hinke mit dem Blog, aber wir sehen und machen einfach so viel. Über alle fehlendenn Tage werden aber noch berichtet werden. 

Hier ein aktuelles Bild von Snaefellsnes, unserer letzten Station vor Reykjavik. Ich habe den Eindruck, dass uns das Wetter den Abschied von Island erleichtern will. Aber, immer schön positiv denken, immerhin konnten wir gestern ohne Wind und Regen die Region erkunden. 


Sunday, June 7, 2015

Vieeel erlebt - Teil 4

02.06. - Sommerurlaub

Wir hatten unsere Reiseführer, Dumont und Baedeker, durchblättert und blieben am Ort/Enklave/Flecken Djupavik hängen, in dem es eine alte Heringsfabrik gibt, einstmals das größte Betongebäude Islands. Noch ein Stückchen weiter Richtung Norden und von der Zivilisation weg sollte es auf den Klippen einen Hot Pot geben, also hatten wir unseren Umweg des Tages gefunden.

Zunächst machten wir auf unserem Weg dahin aber spontan Halt in Laugarhöll, was mehr oder weniger nur aus einem Hotel und einen Pool, gespeist aus einer warmen Quelle, besteht.


Zum Halt animiert hatte uns ein Hinweisschild auf das Sorcerer´s Cottage, Kotbyli Kuklaraus, das Hexerhaus. Klingt viel mystischer als es eigentlich ist. Tatsächlich ist es nämlich ein wiederaufgebautes typisches isländisches Bauernhaus, das aber deutlich kleiner als Glaumbaer ist und damit in seiner Größe und Ausstattung eher repräsentativ für die Lebensverhältnisse der Mehrheit der Bevölkerung. Aus diesen Reihen stammten hauptsächlich diejenigen, die im Rahmen der auch auf Island wütenden Hexenverfolgungen geschlagen oder verbrannt wurden, weil sie abergläubig waren und einfache Zauberei betrieben. Wie der Infotext es so treffend sagte, in diesen harten und unwirtlichen Lebensbedingungen ist es nicht einfach zu überleben.






Dann ging es über die 643 entlang der Strandirküste bei Sturm und Schnee nach Djupavik. In meinem Reisetagebuch habe ich "sehr schwierige Straßenverhältnisse" notiert. Die 643 ist dort eine knapp zweispurige Schotterpiste, auf einer Seite Berg und/oder Geröll, auf der anderen Seite das tosende Meer. Malerisch in Schrittgeschwindigkeit.

Nach einer spitzen Linkskurve erblickten wir einen endlos langen Schornstein mit dem verfallenden Betriebsgebäude. Wenn irgendetwas das Ende der Welt symbolisieren kann, dann dieser Anblick. Ich hatte beide Hände am Steuer und verschwendete keinen Gedanken an meinen Fotoapparat. Einen Gedanken hatte ich - nach dieser Quälerei sollte es hier besser irgendeine Menschenseele, meinethalben auch einen Geist, geben, der uns in dieses Gebäude lässt.

Eine Menschenseele gab es, Claus, der gerade im Inneren der Fabrik eine Fotoausstellung vorbereitete. Wir kamen ins Schwätzen und obwohl es eigentlich erst in zwei Stunden eine lange Führung geben sollte, gab er uns eine kurze Führung, die dann auch immerhin eine Stunde dauerte.

Die Fabrik wurde zur Hochzeit des Heringsbooms in den Dreißigern errichtet und war seinerzeit das größte Betongebäude Islands. Alles Baumaterial wurde übers Wasser herangeschafft, die "Straße" gab es damals noch nicht. Nachdem die Heringsschwärme weitergezogen waren und das Geschäft bergab ging, wurde das Gebäude bereits in den Fünfzigern aufgegeben. In den Achtzigern erwarb ein Ehepaar das Gebäude, in dem die Fabrikarbeiterinnen untergebracht wurden, und richtete dort ein Hotel ein, das man mit Fug und Recht als letzten heimeligen Ort vorm Ende der Welt bezeichnen kann. Außerdem erwarben sie die Fabrik und verlangsamen seitdem den Verfall.








Auf dem Gelände gibt es auch drei riesig große Tanks, in denen der Heringstran eingelagert wurde. Zum Besichtigen steigt man mit den Füßen voran durch dieses kleine Loch.


Innen hat man diesen Anblick und eine perfekte Akustik.


Claus ist Deutscher, der mittlerweile auf Island wohnt und seit 10 Jahren jeden Sommer in Djupavik ist, im Hotel aushilft, fotografiert und das Kulturleben dort organisiert. Er ist der Kopf hinter der jährlich in der Fabrik stattfinden Ausstellungen Steypa, isländisch für Beton. Wir folgten ihm kurz ins Hotel zum Aufwärmen. Netterweise überprüfte er für uns die Straßenverhältnisse für den Rest unserer Tagesstrecke. Zunächst hatten wir auf dem Weg zurück aus Djupavik, die Weiterfahrt an den Hot Pot hinter dem Ende der Welt strichen wir, diesen Anblick auf der Straße, in der Annahme, dass es nicht schlimmer kommen könne:


Dann fuhren wir über die Steingrimsfjardaheidi auf die Westseite der Westfjorde... und ich stellte, dass es auf Islands Straßen durchaus immer noch schlimmer kommen kann. Schneesturm am 02. Juni, in meinem Sommerurlaub. Ich bin Großstadtkind, wenn ich Schnee sehe, freue ich mich, aber setze mich nicht ins Auto! Hier setze ich mich nicht nur ins Auto, sondern fahre auch noch.

Aber auch das ging vorüber, in Sudavik machten wir Halt im Polarfuchsmuseum und landeten schließlich an einem anderen Ende der Welt, in Sudureyri, unserem Heim für die nächsten zwei Nächte. Ein kleines Fischerörtchen am Ende eines Fjordes mitten im Nirgendwo mit einem guten Restaurant.

Statistik: Fosse: 0, Anhalter: 0, Hot Pots: 0, km-Stand: 2.983,2

Saturday, June 6, 2015

Vieeel erlebt - Teil 3

01.06. - Exceptionally rough conditions

Ich hatte bereits erwähnt, dass wir ein Ausflugspaket gebucht haben. Neben der Gletscherwanderung und der Fahrt auf der Gletscherlagune gehörten dazu auch noch eine Walbeobachtung und, für unseren vorletzten Tag, eine Wanderung durch die Höhle Vatnshellir im Gebiet der Halbinsel Snaefellsness. Die Walbeobachtung stand für den Morgen des 01.06. auf dem Plan, also starteten wir verhältnismäßig früh von Akureyri in Richtung Dalvik, von wo aus das alte Walfangboot fahren sollte.

Bereits auf der Fahrt war klar, dass die Fahrt stürmisch, kalt und nass von oben werden würde. Auf sowas sind die Veranstalter natürlich vorbereitet, so dass wir als warm verpackte Teletubbies an Bord gingen.


Es ging hoch und runter, Gischt im Gesicht und dank Super Pep sagte ich meinem Frühstück nicht noch einmal "Guten Morgen". Anderen ging es nicht ganz so gut, eine Frau einer amerikanischen Reisegruppe wünschte sich irgendwann ganz weit weg. Leider sorgte das für ein vorzeitiges Ende der Fahrt, aber vorher kamen einige Rufe von den Führern der Waltour, die nach dem Uhrzeigermethode ausriefen, in welcher Richtung gerade ein Buckelwal das schlechte Wetter ausprobieren wollte. Jetzt kann ich also auch endlich das Thema "Wal sehen" auf meiner Liste abhaken. Fotos habe ich leider keine, ich hielt es für wichtiger, mich bei dem Seegang ordentlich festzuhalten. Wieder an Land meinte dann auch einer der Führer, dass dies "exceptionally rough conditions" gewesen seien und sie kurz davor waren, die Fahrt abzusagen.

Nach heißer Schoki und Keksen zum Aufwärmen setzten wir unsere Reise in den Westen Islands fort. So langsam wurde es richtig menschenleer. In der Nähe der Ortschaft Gröf hielten wir an, um auf einem Feld die winzigkleine Grafakirkja zu besichtigen. Sie ist so klein, dass selbst ich in die Knie gehen musste, um mir nicht den Kopf am Türrahmen oder den Dachbalken zu stoßen. Diese Grassodenkirche ist eine der ältesten Kirchen Islands, im 17. Jahrhundert gebaut, zwischenzeitlich entweiht und als Viehstall genutzt. Mittlerweile ist sie restauriert und 1953 wurde sie erneut geweiht.





Auch unser nächster Halt war ein Ausflug in Islands Geschichte. Es gibt vergleichsweise wenig alte Gebäude auf Island. Dies liegt daran, dass Gebäude bis in 19. Jahrhundert alle auf dieselbe Weise gebaut wurden, nämlich aus geschichtetem Torf und Grassoden, die teilweise von innen mit Holz verkleidet wurden. Holz war ein schwer zu bekommender Baustoff, besonders im Norden hat man sich gern an dem Holz bedient, was vom Meer angespült wurde. Wir haben unterwegs in den Westfjorden viel Treibholz gesehen, was im Laufe mehrerer Jahre von Sibirien her angeschwemmt wird. Aber, ich schweife ab - unser nächster Halt war in Glaubaer. Dies ist ein Grassodenhof größeren Ausmaßes, was auf einen reichen Hof hindeutet. Er wurde erhalten bzw. restauriert und ist jetzt mit Möbeln aus dem 19. Jahrhundert eingerichtet, so dass Besucher einen Eindruck davon gewinnen können, wie auf Island bis Anfang des 20. Jahrhundert gelebt wurde.

Das hier ist der Seiteneingang des Hofes, die Südtür, die als Zugang genutzt wurde, um Wasser in das Haus und Asche hinaus zu tragen. Der Giebel links gehört zur guten Kammer, die später angebaut wurde, in ihr schliefen die Hofherren.


Dies sind die Außenwände der verschieden Vorratskammern bzw. Räume des Hauses.


Dies ist, vom "Haupt"-Eingang her gesehen der Gang, der alle Räume des Bauernhofes miteinander verbindet. Ganz am Ende ist der Mittelteil der Badstofa zu sehen, links davon ist die gute Kammer, rechts geht ein weiterer Raum ab. Der Badstofa ist in isländischen Häusern im wahrsten Sinne des Wortes das Wohnzimmer, dort hat sich der Großteil des Lebens im Haus abgespielt. An beiden Längswänden befinden sich Schlafbuchten, im Fall von Glaumbaer sind es insgesamt elf Betten. Auf den Betten wurde gearbeitet, gegegessen und auch geschlafen. Oft genug haben in einem Bett zwei Menschen geschlafen, also nicht nur die Hausherren waren im Badstofa, sondern auch das Gesinde. Kuschelig.


Wir fuhren anschließend im Örtchen Blönduós vorbei. Dort gibt es ein Textilmuseum, durch das ich innerhalb von 30 Minuten durchrennen musste, auch wenn ich in diesem kleinen Gebäude gut und gern ein paar Stunden verbracht hätte. Dass man dort alles anfassen kann, solange man die reichlich vorhandenen Stoffhandschuhe trägt, machte es zu einem Paradies für mich. Zu meiner Überraschung wird auch auf Island geklöppelt und ich verbrachte ein paar Minuten damit, die drei Klöppelsäcke mit angefangenen Spitzen zu bewundern. In einem anderen Raum gab es verschiedene Exemplare der reich bestickten isländischen Nationaltracht, in wieder einem anderen Raum wunderbar bestickte Alltagswäsche, außerdem gab es natürlich auch einen Raum für isländische Wollwaren. Zwei Räume waren Halldora Bjanadottir gewidmet, einer Kunsthandwerkerin und Frauenrechtlerin. Faszinierende Persönlichkeit, mit deren Leben und Wirken ich mich gern länger auseinandergesetzt hätte. Aber wir mussten ja noch an unseren Übernachtungsort kommen... Die Ansage im in dieser Hinsicht sehr präzisen Reiseplaner war, dass wir genügend Reisezeit einplanen sollten.

Unser Dach überm Kopf für die Nacht befand sich in Drangsnes. Dafür mussten wir über Holmavik durch die Tröllatungaheidi fahren. Klingt wie troll, also etwas unangenehm, und diese Hochebene versüßte uns die Fahrt dann auch mit etwas Schnee und starkem Wind.

Endlich nach Drangsnes verweht, trauten wir uns nach dem Abendessen raus an die Luft, aber nicht ins warme Wasser. Der Weg von der Umkleide in die Hot Pots war uns zu weit.




Statistik: Fosse: 0, Anhalter: 0, Hot Pots: 0 (nicht reingehen zählt nicht), km-Stand: 2.622,2