Wednesday, August 31, 2016

Tag 4 - da oben waren wir oder, bekomme ich jetzt das isländische Gämsendiplom?

Die zwei wichtigsten Dinge vorweg:
1. Ja, letzte Nach gab es Nordlichter, und ja, ich habe welche gesehen. Allerdings nur kurz, gegen 3.00 Uhr, weil ich da kurz aufwachte. Und dann wieder einschlief. Es ist hier im Norden doch noch zu hell.
2. Die Katla hat gerade verstärkt Husten, dies aber äußerst weit weg von uns. Sollte sich der Husten verschlimmern und Auswurf hinzu kommen, würde dies maximal Einfluss auf unseren Rückflug haben und ich gebe zu, da kann ich mir Schlimmeres vorstellen.

Zum heutigen Tag, der uns gestern mit schlechtem Wetter angekündigt wurde. Bevor wir uns ansatzweise mit dem Wetter auseinander setzten, gab´s Frühstück und Streicheleinheiten für die Hunde.






Da das Wetter nicht ansatzweise so schlecht wie erwartet war, kein Regen, begaben wir uns auf unsere nächste Wanderung. Hinterm Hotel gibt es den Djupivikur Circle, mit einer Dauer von zwei Stunden vollkommen akzeptabel. Wir brauchten ungefähr drei Stunden, was an den Fotostops alle Nase lang lag. Die folgende Auswahl ist eine sehr kleine Sammlung des Inhalts meiner Speicherkarte.

Immer schön den Stöckchen nach gelangten wir auf die Hochebene hinterm Hotel. Ich lobte mir meine neuen Wanderschuhe, eine gute Investition.



Oben angekommen, wurden wir mit Farben und Aussicht und Aussicht und Farben belohnt.






Ich stellte fest, dass wir wirklich verdammt weit oben waren. Und dass sie das Dach der alten Fischfabrik neu gedeckt haben. Unser Hotel ist das vierte Gebäude links neben der alten Fischfabrik, mit der roten Außenverkleidung.





Und noch mehr Aussicht und Farben und Farben und Aussicht.





Bei entsprechendem Wind fließt der Wasserfall überm Hotel auch nach oben.




My BFRS.



Von der Hochebene gelangten wir wieder schön senkrecht bergab auf die Straße nach Djupavik. Die Häuser im Hintergrund sind die Fischfabrik.


Auf dem Weg über die Schotterpiste Richtung Djupavik schauten wir immer wieder nach oben und waren von uns selbst beeindruckt. Wir waren ziemlich weit oben!

Wieder bei der Fischfabrik angekommen, holte ich die Fotosession nach, die ich letztes Jahr wegen be******** Wetters hatte ausfallen lassen. Im September finden hier übrigens Dreharbeiten für einen internationalen Film statt...







Ordentlich geplättet, wollten wir, trotz oder gerade wegen des nicht so schönen Wetters, wieder nach Krossneslaug. Ich hatte ja keine Fotos gemacht. Und ein langes heißes Bad geht immer.

Als wir ins Auto stiegen, bekam ich einen Lachanfall und zwar wegen zweier kleiner Flaschen mit Frostschutzmittel. Und das kam so - gestern nach unserer Ankunft saßen wir vorm Hotel mit ner Tasse Tee (der Mann mit Kaffee, tut aber nix zur Geschichte) und kamen ins Schwätzen mit zwei Mitvierzigern aus dem Rheinland, die gerade Männertour aus Island machen. Wo haben wir die beiden wiedergetroffen? Natürlich gestern im Hot Pot im Krossneslaug. Und wenn man einer Stunde im heißen Wasser einweicht, schwätzt man weiter. Irgendwann kam der Punkt, an dem wir uns alle ein kaltes Bier wünschten. Tja, Janis und ich als erfahrende Islandhasen waren auf der Gewinnerspur und freuten uns laut auf unser kaltes Bier im Kofferraum. Hatten uns ja schließlich in Keflavik eingedeckt. Die Jungs, die ungelogen Bud Spencer und Terrence Hill hätten doublen können, hatten keins. Aber Frostschutzmittel, hatten sich schließlich anderweitig gut auf ihre Tour durch die Westfjorde vorbereitet, von dem sie uns einen Liter im Tausch gegen zwei Flaschen anboten. Guter Tropf, der ich manchmal sein kann, stellte ich sie bei unserer Abfahrt, als sie weiterweichten, vor die Wahl zwischen Porter (meine Sorte) und Ale (Janis Sorte), das Frostschutzmittel war mir egal. Die wollten beide Ale, ich fand die Wahl gut. Wir fuhren unserer Wege und freuten uns ob unserer guten Tat. Janis vielleicht ein klitzeklein wenig weniger. Tja, und auf ihrem Rückweg von ihrem Quartier in der Nähe von Krossnes erkannten die beiden ganz offensichtlich unser Auto wieder und erfüllten ihren Teil des Tauschs. Manchmal macht das alles einfach nur Spaß.

Unterwegs legten wir einen kleinen Umweg ein, unser neuer Reiseführer erwähnte noch eine alte Fischfabrik, Eyri im Ingolfsfjord. Ist so weit ab vom Schuss und die Straße noch saumäßiger, dass die vermutlich auf ewig nicht touristisch erschlossen ist. Gegen das Fleckchen geht es in Djupavik zu wie im Taubenschlag!






Der alte Trantank eignet sich hervorragend für fotografische Übungen.





Und im Krossenlaug sinnierte Janis über den Sinn des Lebens.








Tuesday, August 30, 2016

Tag 3 - so langsam wird´s unheimlich oder, am Ende der Welt

Von Drangsnes ging es heute die Strandirküste weiter hoch nach Norden, nach Djupavik. Wer unsere heutigen Erlebnisse vergleichen möchte mit der gleichen Fahrt im letzten Jahr, hier ist der Eintrag.

Größter Unterschied war das Wetter. Wir hatten Sonne. Schon wieder. Und zweistellige Temperaturen. Auch schon wieder. So langsam wird´s uns unheimlich.

Das Hexerhaus sah heute so aus.


Der Berghang hinterm Hexerhaus war schneefrei.


 Außerdem gab´s jede Menge Blaubeeren.


 Und es schlich sich ein Fototroll ins Bild.


Die Fahrt nach Djupavik machte fast schon Spaß. Die Landschaft drumherum war wieder beeindruckend, dieses Mal konnte auch ich sie, trotz Fahrerei, fast genießen. Ein, zwei Fotostops mussten sein, ansonsten hatte der Mann natürlich den Vorteil, auch während der Fahrt Fotos zu machen.







 Angekommen in Djupavik, bezogen wir unser Zimmer für die kommenden zwei Nächte im Hotel, welches früher das Arbeiterinnenwohnheim war. Mit dünnen Wänden, wie ich gerade feststelle, im Nebenzimmer wird ordentlich gesägt. Die scheinen hier aber darauf eingestellt zu sein, in jedem Zimmer liegen Ohrstöpsel parat.

Jedenfalls, Ankunft in Djupavik. Die drei Wale (Minkwale) waren immer noch im Fjord, mein Fotoapparat zu dem Zeitpunkt aber im Auto. Eine der Hotelangestellten meinte auf meine Frage zu einer Wanderung, dass es rund ums Hotel eine ca einstündige Wanderung gebe. Da allerdings morgen das Wetter schlecht sein solle, würde sie uns empfehlen, hoch nach Krossnes zu fahren und dort eine Rundwanderung zu machen. Okay, machen wir gern, zumal wir sowieso endlich im Krossneslaug baden wollten.

Also, weiterere 30 km Schotterpiste später packten wir die Rucksäcke, zogen die Wanderstiefel über und marschierten los. Für die Rundwanderung würde die Zeit nicht reichen, ein Bad im Krossneslaug war zu verlockend, aber bis zum Nordostzipfel unterm Krossnesfjall sind wir gekommen. Und wurden mit einem Blick nach Hornstrandir belohnt.






Unmengen an Schafen gab es auch. Wie allerdings dieses Mutterschaf zu diesen Lämmern gekommen ist... Ich hätte in Bio besser aufpassen sollen.




Tja, und Krossneslaug war toll. Punkt. Janis hat Fotos.

Und der Abend in der Bucht vor Djupavik im Reykjarfjördur auch.

Und jetzt warten wir hier alle hibbelig darauf, ob sich tatsächlich Nordlichter zeigen. Wie gut, dass morgen das Wetter schlecht werden soll, können wir ausschlafen.

Monday, August 29, 2016

Tag 2 - Huh der SCF!

Auf Island ist der morgendliche Blick aus dem Fenster immer mit einer gewissen Spannung verbunden. Regnet´s Bindfäden oder geht´s irgendwie so? Heute morgen ging es mehr als nur so. Blauer Himmel mit schicken weißen Wolken, gut Wind, aber irgendwas ist immer. Gefällt mir besser als 35 Grad wie in Berlin. Da nehme ich doch lieber die Berliner Außentemperatur in Wasser, aber dazu später.

Drangsnes kannten wir noch vom letzten Jahr. Weil die Zeit aber zu knapp war, sahen wir vom Örtchen (existiert nur wegen der Fischfabrik) nur das Guesthouse und spazierten an den bekannten 3 Hot Pots von Drangsnes nur vorbei. Heute nach dem Frühstück spazierten wir dafür mit Muße durch den Ort.



Ich fand´s umwerfend.


Und dann wurde es Zeit zum Aufwärmen. Nicht, dass uns kalt war, aber die Hot Pots würden wir kein zweites Mal links liegen lassen.

Ich sinniere darüber nach, wie grausam es doch ist, dass der SC Freiburg in Berlin in brütender Hitze spielt und ich auf Island im Hot Pot liege.


Offensichtlich sind wir drüber hinweg gekommen.

Ordentlich durchgekocht machten wir uns mit dem Auto auf den Weg nach Holmavik, ca 30 km weit weg. Kurz nach dem Ortsausgang von Drangsnes sahen wir vier Gestalten auf Wegesrand, mit isländischer Fahne winkend. Na gut, anhalten und ihnen sagen, dass wir nur bis Holmavik fahren, schadet nicht. Ne Minute später waren drei von vier inklusive Gepäck in Otti 2 mit uns unterwegs nach Holmavik. Da hatten sie Aussicht auf etwas mehr Mitnahmegelegenheiten als knapp am Ende der Welt. Nummer vier dürfte vom Auto hinter mir mitgenommen worden sein. War irgendwie passend, Tschechen in einem Skoda mitzunehmen.

In Holmavik besuchten wir das Hexerei-Museum. Hexerei und Zauberei, beides hauptsächlich von Männern betrieben, war im Strandir-Gebiet weit verbreitet. Das Museum ist klein und unspektakulär, aber sehr informativ. Und die Lammsuppe im Museumscafé kann auch was.

Weiter ging´s kurz in die Ausstellung zur Schafszucht auf Island im Gemeindezentrum von Saevangur, leider ohne angeschlossenen Wollverkauf. Als die Dame vom Eingang mit zwei Milchflaschen die Besucher einsammelte, weil zwei Lämmer ihre Milch brauchten, rasten alle Besucher inklusive uns hinterher. Die kuscheligen Wollknäuel saufen schneller als ich.




Und jetzt sitzen wir wieder im Malahorn in der Veranda unseres Zimmers mit Blick auf den Fjord und dem Resttageslicht, genießen unser tägliches Einstök (ein Hoch auf den Duty Free in Keflavik) und freuen uns wie Kullerkekse, dass alles so schön ist.

Statistik: die gefahrenen Kilometer werden nachgereicht, 3 Anhalter, 2 Hot Pots (ich war natürlich in beiden momentan in Betrieb befindlichen Hot Pots in Drangsnes)

Tag 1 - so sieht das also ohne Regen aus.

Zurück zum Thema Mietwagen - unser (Ersatz-) Mietwagen, wieder ein Skoda Octavia mit 4WD, war ja nicht ganz funktionstüchtig, obwohl er wohl frisch aus der Durchsicht kam. Also ging es für uns nach einem entspannten Frühstück, und Expertentipps an spanische Gäste im Guesthouse, nach Reykjavik zum Autotausch. Nein, auch dort wollten wir keinen Automatik (warum wird das eigentlich als Upgrade bezeichnet?), sondern lieber eine Stunde Wartezeit aufs geputzte Auto totschlagen. Immerhin war es ja fast schon Mittagszeit, also suchten wir die beim letzten Besuch entdeckte Fish&Chips-Butze auf und freuten uns.

Frisch gestärkt und mit einem funktionierenden Auto, Otti 2 getauft, wir sind sooo kreativ, ging´s los Richtung Norden. Reykjavik war, wir glaubten es kaum, nicht verregnet und auch auf der Strecke sahen wir etwas, was wir beim letzten Mal auf dieser Strecke, nicht hatten - blauen Himmel mit malerischen Wolken und Sonne. Diese Gelegenheit musste genutzt werden und so nahmen wir bei Akranes nicht den Tunnel, sondern umfuhren den Walfjord. Ich, am Steuer, hatte schon wieder ordentlich Pippi in den Augen, so schön sah alles aus. Grün über Grün, Wollgras, Lupinen zum Teil in Restblüste, Löwenzahn und sonst noch viel Zeug, das Botaniker erkennen würden.


Eigentlich wollten wir in Borgarnes ins Settlement-Center, um uns zur Landnahme und den Isländer- Sagas zu informieren, nur leider hatte uns die Warterei auf Otti 2 zu viel Zeit gekostet. Vielleicht auf dem Rückweg.

Stattdessen wollten wir dieses Mal die Hraunfossar sehen. Beim letzten Mal sind wir wegen des heftigen Regens und des Sturms auf der Rückweg noch nicht mal ansatzweise auf den Gedanken gekommen, diese Richtung einzuschlagen. Ich hatte diesen Eintrag nicht mehr gemacht, was sicher gut war, so viele Schimpfworte, wie ich für das Wetter auf unserer Fahrt von Snaefellsness nach Reykjavik gebraucht hätte, kenne selbst ich nicht.

Nun gut, Hraunfossar. Tolle Sache!


Weiter ging´s auf der 1 Richtung Norden, wir begeistert von der Landschaft, trotz kurzzeitiger Hamburger Luft. Kurz nach Bifröst (leider ohne ordentliches Ortsschild, ich hätte so gern ein Geek-Foto gehabt für "Heimdall, öffne den Bifröst") meinte Janis, dass ich auf einem Rastplatz anhalten sollte, das sähe grad so toll aus. Anlass für die Einrichtung des Rastplatzes war das Naturdenkmal des/der Grabrokargigum (ohne Striche über den meisten Buchstaben wiedergegeben), alte tote Vulkankrater, zu denen man hochlaufen konnte. Wir verabschiedeten uns von dem Gedanken, noch zum Abendessen bei unserer Unterkunft anzukommen (der Vorratskauf in Keflavik war eine gute Idee) und stiefelten los. Supergut erschlossen, ordentliche Holztreppen und oben am Kraterrand ordentlich mit Ketten abgesperrt, damit auch der dusseligste Idiot nicht auf die bescheuerte Idee kommt, links oder rechts vom Weg Gefahr zu laufen, den steilen Abhang runterzurutschen. Lasst es mich so sagen, irgendein Idiot, der Anwärter auf den Darwin-Award ist, findet sich immer. Und ich schnauz die Leute dann gern zusammen, muss im Training bleiben für Berliner Straßen. Aber ansonsten war´s toll.




Nicht schlecht, oder? Kann nicht besser werden?

Es kann.

Denn dann fuhren wir durch den Regenbogen.



Und dann in den kitschigsten Sonnenuntergang.




Angekommen in Drangsnes im Malarhorn Guesthouse hatte die Küche tatsächlich schon zu, aber dafür wurde Thunfisch in Dosen erfunden. Und Einstök Toasted Porter schmeckt immer.

Statistik: 422,1 gefahrene km mit Otti 2 (die Fahrt von Keflavik nach Reykjavik mit dem Vorgänger zählt nicht), 0 Anhalter, 0 Hot Pots

Es geht wieder los.

Schatz, wohin fahren wir dieses Jahr eigentlich in den Urlaub? So oder so ähnlich fing die Unterhaltung an... Dachstein/Tauern lag ganz weit vorn, bis ich das Wort "Westfjorde" aussprach. Wer die Einträge vom letzten Jahr (ja, nie abgeschlossen, mea culpa, vielleicht bin ich dieses Mal besser) verfolgt hat, wird möglicherweise bemerkt haben, dass diese Ecke von Island toll ist und uns enorm gut gefallen hat. Tja, ein Kostenabgleich und einen tiefen Blick in die Augen später und wir begannen mit der Buchung. Nach Island. In die Westfjorde, so gut wie ausschließlich.

Also, am wahrscheinlich heißesten Tag des Jahres in Berlin noch im Büro schwitzen (Thermometer an der Jannowitzbrücke zeigte 37 Grad), nach Hause radeln, Rucksack schultern und ab nach Tegel.

Erstmal Berlin von oben anhimmeln und sich freuen, dass wir über den Fernsehturm fliegen.



In Keflavik angekommen brauchten wir zwei Versuche, um unseren Mietwagen einzusammeln. Zum Check gehört bei mir immer der Test der Scheibenwischer und wenn der Heckscheibenscheibenwischer nicht tut, dann will ich das Auto nicht, auch wenn das Kennzeichen FUN ist. Nummer 2 tat auch nicht perfekt seinen Dienst, sondern meldete "offene Heckklappe". Als ich deshalb noch mal zum netten Hertz-Menschen namens Frans dackelte, war er kurz vorm Weinen. Weil wir wieder keinen Automatik haben wollten, gab er uns zum Trost immerhin ein GPS (brauchen wir eigentlich nie, wir fahren analog nach Karte, zumal in Island) und sagte uns, dass wir am nächsten Morgen in Reykjavik zur Hertz-Station zum Autotausch fahren sollten. Reykjavik liegt quasi auf dem Weg, also was soll´s, lässt sich halt nicht ändern. Ich kann so schön entspannt sein im Urlaub.

Das Ace-Guesthouse in Keflavik war schnell gefunden, per Uraltantik-Handy der Gastgeber herbei telefoniert...



... Und dann der erste Hammer - guckt nach oben, seht Ihr den Schimmer, das sind übrigens Nordlicher. Nicht so toll wie vor zwei Tagen, aber sie sind da. Und wirklich, da war ein Winzschimmer. Ich mit Pippi in den Augen und überglücklich (und todmüde) ab ins Bett.