Sunday, September 11, 2016

Tag 10 - Wehmut vom Winde verweht

Die Sonne scheint und für uns heißt es, nach 10 traumhaften Tagen die Westfjorde zu verlassen und den langsamen Weg Richtung Reykjavik anzutreten. Vor uns liegen noch zwei Tage auf der Halbinsel Snaefellsness, letztes Mal fast nur bewölkt und zum Schluss ordentlich verregnet erlebt, und zwei Tage in Reykjavik, wo das Wetter beim letzten Besuch ebenfalls nicht berrauschend war. Was blüht uns dieses Mal?

Zunächst zögern wir den Abschied etwas heraus und halten bei der Gadar an, die wie auch im letzten Jahr vor sich hinrottet.




Sie tut dies mit malerischer Aussicht. 

Oben auf dem Pass Kleifaheidi zwischen Patreksfjördur und dem Bardaströnd machten wir erneut einen kurzen Stop, da wir diesen Ort noch nicht im Sonnenschein erlebt hatten. Und wir nicht aus den Westfjorden raus wollten. Außerdem fehlte mir noch ein Foto von Kleifabui, der Figur, die die Straßenarbeiter beim Bau der Passstraße gebaut haben. Warum? Weil sie wollten.
Wir nahmen dieses mal nicht die Fähre nach Snaefellsness, weil sie, außerhalb der Saison, nur um 18.00 Uhr fährt. Außerdem soll die Umfahrung des Breidafjördur, der zwischen den Westfjorden und Snaefellsness liegt, malerisch sein. Ist sie auch. Dauert aber laaang und hat ein paar überraschend steile Strecken auf Schotterpisten, weshalb ich verstehe, dass die Fähre die bessere, bzw. schnellere, Wahl ist.

Unterwegs legten wir immer wieder Stops ein, um die Landschaft im sonnigen Wetter zu genießen.

Dieser Anblick hier ist insofern ungewöhnlich, als dass nirgendwo Schafe am Straßenrand zu sehen sind. Normalerweise stehen sie da immer in durch 3 teilbarer Anzahl (Mama plus zwei Lämmer) rum. Wenn man sich ihnen allerdings mit der Kamera nähert, nehmen sie erstaunlich schnell, aber superkomisch, rennend Reißaus. Oder sie hauen ab, wenn man vom 6. Gang in den 2. geschaltet hat. Doofe Biester, tolle Wolle.

Ein Tag am Meer, sozusagen. Ich musste mich arg zurückhalten, nicht zu baden. Der Handtest zeigte, dass es nicht zu kalt war.

Im Hintergrund ist unser Tagesziel, Snaefellsness, zu sehen.

Beim Hotel Flokalundur hielten wir erneut an. War klar, dass das Wetter heute hervorragend geeignet gewesen wäre für die Wanderung zum Lomfell. Ein erneuter Versuch war zeitbedingt nicht möglich, aber die kurze Wanderung entlang des Flusses wurde es dann doch. Wenn die Büsche links und rechts des Weges nicht so voll mit Blaubeeren gewesen wären, wären wir auch schneller damit durch gewesen.


Ein schöner Blick auf den Lomfell.


Kleiner Hinweis am Rande, wenn der Blaubeerbusch stachelig ist, ist es kein Blaubeerbusch, sondern wahrscheinlich ein Wacholderstrauch. Danach hatte ich Durst auf Tonic.

Weiter ging´s, jetzt wirklich aus den Westfjorden raus. Als wir ein paar Stunden später am Hvammsfjördur entlang fuhren, war ich mitten im Sagaland. Janis hatte mir letztes Jahr zum Geburtstag eine vierbändige Ausgabe der Isländer-Sagas geschenkt und eine der bekanntesten spielt im entlang des Hvammsfjördur gelegenen Laxardal. Beim nächsten Mal wird dort gewandert, Punkt.

Auf Snaefellsness angekommen, musste ich anhalten. Deshalb.
Ein Sturm kam auf und schob die Wolken vor sich her.

Den Snaefellsjoküll hatte die Wolkenwand aber noch lange nicht erreicht.

Am Kast Guesthouse, unserem Zuhause für die kommenden zwei Tage, angekommen, wäre ich zu gern noch reiten gegangen, aber Uhrzeit und mittlerweile Sturm ließen dies nicht zu.


So buchten wir den Ausritt beim zum Guesthouse gehörenden Hof für den kommenden Morgen um 10.00 Uhr, genossen ein gutes Abendessen und sahen, soweit es der sturmeingeschränkte Empfang zuließ, das WM-Qualispiel Ukraine gegen Island. Ab ins Bett und schlafen...

Und dann, um uns damit zu versöhnen, dass wir die Westfjorde hinter uns lassen mussten, kam von draußen aus der stürmischen Dunkelheit der Satz "They´re out, you can see them". Wer oder was ist "they"? Nordlichter, mal wieder. Erst wieder nur milchig, dann immer stärker werdend. Irgendwann tanzten sie vor den im Sturm aufziehenden Wolken her. Im Sturm war es schwer, die Kamera während der notwendigen langen Belichtungszeit ohne Stativ ruhig zu halten, aber zur Not tut´s auch ein Stuhl als Stativ.




 Wir hatten, mal wieder, unglaubliches Wetterglück gehabt.

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