Saturday, June 6, 2015

Vieeel erlebt - Teil 1

Ich muss im Urlaub sein, wenn ich einfach nicht weiß, welcher Wochentag ist. Mindestens zwei Mal am Tag frage ich Janis und irgendjemand sonst, welchen Tag wir eigentlich haben. Es könnte ewig so weitergehen. Hier die Erlebnisse der letzten Tage:

29.05. - wir nehmen Fahrt auf

Es war an der Zeit, den Süden, und wenn man so will die Zivilisation, zu verlassen. Weiter als bis zum Skaftafell gehen die Tagestouren, die von Reykjavik aus angeboten werden, eher selten, danach ist man entweder Busreisender oder, so wie wir, als Invididualtourist unterwegs und lernt die Schönheiten der isländischen Verkehrswege kennen.

Wir machten uns auf den Weg und legten natürlich mehrere Fotostopps ein, bis wir an unserem ersten Tagesziel, der Gletscherlagune Jökulsarlon, ankamen. Übrigens endlich mal bei strahlendem Sonnenschein.



Dieses abstrakte Gebilde war übrigens mal eine Brückenbegrenzung, bis 1996 nach einer Eruption eine Gletscherschmelze für eine Überflutung sorgte.

Auf dem Jökulsarlon, dem größten Gletschersee Islands, werden Bootstouren angeboten, wir hatten eine Fahrt in unserem Ausflugspaket dabei. Also wie in der Beschreibung hingewiesen, ignorierten wir die drei großen Reisebusse und gingen ins Café, um nach unserer Abfahrt zu fragen, wo wir natürlich an den Ticketschalter draußen geschickt wurden, vor dem eine kleine überschaubare Schlange stand. Dann standen auch wir in der Schlange... und standen... und standen... und beobachteten ein Organistionschaos sondergleichen, weil offensichtlich drei Busladungen auch Boot fahren wollten, diese aber nicht angekündigt waren. Zwei Stunden später waren wir dann am Ende unserer Geduld und endlich im Amphibienboot. Es sagt einiges über die Tour aus, wenn ich sage, dass ich danach fast wieder friedlich und nicht mehr "Litli Geysir" war.





Dieser junge Mann gehörte zur Besatzung des Amphibienfahrzeugs, mit dem wir über den See fuhren. Er versuchte, gegen das Kontrastunterhaltungsprogramm der Seehunde anzukokommen und informierte uns über die Lagune und Gletscherlagune. Der Brocken Eis, den er in seiner Hand hält, ist so ungefähr 1.000 Jahre alt. Er zerteilte ihn, reichte eine Hälfte rum, damit Interessierte, also natürlich auch Janis und ich, sagen können, dass wir 1.000 Jahre altes Eis in den Händen gehalten haben. Die andere Hälfte zerbröselte er in mundgerechte Stücke und wer wollte, also auch hier natürlich auch wieder Janis und ich, konnte 1.000 Jahre altes Eis lutschen. Schmeckt besonders.




Ungefähr 100 Eisfotos später, ich habe hier einfach blind aus den ersten 20 ausgewählt, ging es weiter Richtung Osten. In Höfn hielten wir am Hafen.


Es ging weiter auf die Halbinsel Bulandsnes mit dem Fischerörtchen Djupivogur, wo wir eine kleine Rastpause einlegten. Und weil ein Janis seinen Fischerhafen braucht, sahen wir dann noch bei der Entladung des gerade angelegten kleinen Fischerbootes zu. Die Jungs müssen sich auch was bei unserem Anblick gedacht haben. Zu unserer großen Überraschung winkte uns der Fischer nach dem Ende der Entladung heran und zeigte uns seinen Fang, Janis war erst verwundert, dann begeistert. Die Jungs hatten Seeanemonen gefangen. Chinesen zahlen gut für die Dinger, sie gelten dort als Potenzmittel. Wir lehnten das angebotene Geschenk lachend und dankend ab und machten uns wieder auf die Reise.

Djupivogur liegt übrigens an der Spitze einer Fjordlandzunge. An der Spitze des Fjordes, also im Landesinneren, machte ich Bekanntschaft einer, nennen wir es Besonderheit, des isländischen Straßenbaus. Gelegentlich wird aus einer asphaltierten Straße eine Schotterpiste, selbst auf der Ringstraße kommt das vor. Ich sang das erste, und nicht das letzte, Loblied auf den Allradantrieb unseres Skoda Octavia, mittlerweile liebevoll Otti genannt und schon mehrfach geputzt. Schotterpisten halt...

Mittlerweile hatte sich die Sonne, wie wir noch herausfinden sollten für die nächsten paar Tage, hinter Wolken verzogen und es wurde, nun ja, ungemütlich. Als wir also an der Spitze der nächsten Landzunge zwei Anhalter sahen, fassten wir uns ein Herz und hielten an. Bis zum Ziel unseres Tages, Egilsstadir, begleiteten uns ein dänisches Geschwisterpaar auf Rundreise. Sie ist Geologiestudentin auf Austausch in Island, ihr Bruder besuchte sie. Wir löcherten sie natürlich mit allen möglichen Fragen zu dem, was wir bisher gesehen hatten. Unterbrochen wurden wir nur durch Ottis Hinweis auf Glatteis, weil er draußen mittlerweile 4° Celsius gemessen habe. Der Schnee um uns herum auf dem Pass hätte uns ein Hinweis sein können... Nun ja, Sommerurlaub auf Island, immerhin wird es nicht dunkel.

Ein wenig Statistik: Fosse: 0, Anhalter: 2, km-Stand: 1.400,9


30.05. - Mondlandschaft

Wir begannen den Tag mit einer Fahrt um den Lagarfljot, einem großen See südlich von Egilsstadir. Der Lagafljot ist der isländische Cousin vom Loch Ness, sein Monster heißt Laggi. Wir haben es nicht gesichtet und können deshalb auch keine Fotoprämie einstreichen.

Wir machten am unteren Ende des Lagafljot halt und, noch schien kurz die Sonne, wanderten vorbei am Litlanesfoss mit großartigen Basaltsäulen hinauf zum Hengifoss.






Oben am Hengifoss trafen sich die Fotografen.


Außerdem kam es wieder zu Verbrüderungsszenen zwischen den Reisekameraden Hasi und Ducky.


Und dann gab es natürlich das. Ich versteh´s nicht.


Nach einem Zwischenstopp im Besucherzentrum der Region Skriduklaustur mit einer kleinen, aber informativen Ausstellung zur örtlichen Tier- und Pflanzenwelt, und den gleich um die Ecke gelegenen Fundamenten eines alten Klosters fuhren wir über eine Schotterpiste, im Gegensatz zu einer Jeeppiste, dürfen wir auf so was fahren mit unserem Mietwagen, zurück auf die Ringstraße.

Diese führte uns durch eine Landschaft, in der man Mondlandungen drehen und Marslandungen üben kann. Zum Teil lag, für uns da noch sehr überraschend, viel Schnee um uns herum. Am Horizont gab es Vulkane und Berge zu sehen.



Besonders bemerkenswert war dieser Tafelberg.


Der Kartenname ist Herdubreidarhindir, die Breitschultrige. In der Sagawalt ist er bekannt als Asgard, der Sitz der Asen.

An der Ringstraße, bzw. in mehr oder minder großer Entfernung und Erreichbarkeit von ihr, liegen auch Fosse. Einer davon ist der Dettifoss. Laut Baedeker wäre der über die neuerdings gut ausgebaute F864 zu erreichen. Ist er aber nicht, weil die F864 eben nicht ausgebaut sondern immer noch eine Jeeppiste ist, die wegen des hartnäckigen Winters immer noch gesperrt ist. Dafür ist die im Baedeker als Allradpiste bezeichnete, weiter westlich liegende F862 jetzt eine schicke, 25 km lange Asphaltstraße direkt zum Dettifoss.


Dort hatten wir dann diesen Anblick.



Und diesen.


Man kann wohl eigentlich auch aufs unter dem Fußweg liegende Plateau und damit näher ran an den Wasserfall, aber, nun ja, Schnee halt.


Einen kurze Wanderung weiter liegt der Nachbarwasserfall Selfoss, auch beeindruckend.






Weiter in Richtung Westen auf der Ringstraße stießen wir kurz vorm Myvatn und dem Pass Namaskard auf das größte Solfatarenfeld Islands, der die das Hverarond. Nicht zu übersehen und vor allem auch nicht zu überriechen.




Wer hält sich in einem geothermischen Gebiet besonders gern auf? Richtig, Geologen. Wir schwätzten also kurz mit unseren dänischen Bekannten und fuhren dann zu unserem Tagesziel weiter, Akureyri, das Zentrum im Norden.

Unterwegs gab´s dann noch den wohl bekanntesten Foss Islands, was wohl auch seiner überaus großen Nähe zur Ringstraße geschuldet ist, dem Godafoss. Ein schöner Anblick im Abendlicht.


Statistik: Fosse: 4, Anhalter: 2 bekannte Gesichter, die schon eine Mitfahrgelegenheit hatten, km-Stand: 1.808,9

Schluss für heute, das WiFi im Hotel trägt jedes Fotobit einzeln um die Welt.

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