Am Morgen schien fast die Sonne und wir brachen auf zum Gullfoss, nachdem wir Strokkor den üblichen morgendlichen Besuch abgestattet hatten. Auch am Gullfoss war es zumindest von oben trocken, nur der Wind stand etwas ungünstig und blies die Gischt auf die Linse. Aber der Anblick war großartig und darum geht es schließlich.
Nach einem letzten Blick auf Strukkur ging es weiter mit der großen Fahrt. Wir fuhren entlang des Fluss Thjórsá, der intensiv für Stromerzeugung genutzt wird, aber landschaftlich trotzdem großartig ist. Netterweise haben die Isländer die Kraftwerke größtenteils in den Bergen untergebracht und so einen großen Umweg wollten wir dann doch nicht machen.
Entlang der Straßen werden sehenswerte Punkte übrigens immer mit einem bestimmten Straßenzeichen, meist ohne weiteren Hinweis auf die Sehenswürdigkeit, angezeigt. Als wir ein solchen Zeichen zwischen Fluss und Bergen sahen, machte ich den laut Baedeker "steilen Abstecher, der gut markiert, aber nicht asphaltiert ist" (wie waren noch mal unsere Mietwagenbedingungen?), auf den Felsvorspruch Gaukshöfdi und wir genossen nach einigen Metern Kletterei diesen Ausblick.
Kurz danach dann das nächste Foss, der Hjálparfoss mit schicken Basaltsäulen und einem Vorsprung, bei dem nur noch die Argonath gefehlt haben, um komplett in Mittelerde zu sein.
Gleich um die Ecke gibt es das Museumsgehöft Thjodveldisbaer, welches leider erst ab dem 01.06. geöffnet hat. Es ist der Nachbau eines Gehöfts namens Stög, welches vor Jahrhunderten bei einem Ausbruchs der Hekla verschüttet wurde. Gehöfte dieser Art gab es unverändert bis ins 19. Jahrhundert, wie uns heute von der Führerin auf unserer Gletscherwanderung erzählt wurde.
Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße lief uns dann doch glatt ein ein Polarfuchs fast vors Auto. Fast, weil ich rechtzeitig bremste, ohne Fotobeweis, weil Janis die Kamera nicht griffbereit hatte. Glaubt uns einfach.
Dann waren wir nach einem Umweg über Selfoss, weil irgendwer noch Wolle kaufen wollte, auf der Ringstraße, die uns für den Rest unserer Reise um Island herum führen wird. Weil ein Foss zu wenig und zwei Fosse auch nicht wirklich viel sind, hielten wir auch am nächsten Foss an, dem Seljalandsfoss. Dieser Foss wird vom Eyjafjellajökull gespeist, der uns unseren ersten Reiseversuch nach Island versaute. Zum Ausgleich hinterging ich ihn und nahm ihm mittels meiner Flasche Wasser ab.
Danach ging es, wohin wohl, zum nächsten Foss, dem Skógafoss, der gefühlt gleich an der nächsten Abfahrt von der Ringstraße ist. Der konnte beklettert werden.
Genug von Fossen, jetzt wieder Küste. Der südlichste Zipfel von Island ist Kap Dyrhólaey, natürlich Naturschutzgebiet mit Öffnungszeiten bis 19 Uhr. Wir waren rechtzeitig da.
28.05. - Heute können Sie den ganzen Tag im Skaftafell Nationalpark verbringen oder "Walk Like A Penguin"
Sprach unser Reiseplan. Oh ja, kann ich und habe ich. Zunächst fuhren wir, wegen Zeitdruck unter leichter Missachtung der Geschwindigkeitsbegrenzung, die glücklicherweise kurz vor einem Kontrollpunkt der Verkehrspolizei wieder in Beachtung umschlug, durch die Ebene Skeidararsandur, einer riesigen Sandebene, die wie eine vulkanische Mondlandschaft aussieht. Dazu am Horizont der immer größer werdende Gletscher Vatnajökull... Grandios.
Wir begannen den Tag Schlag 10.00 Uhr mit einer Gletscherwanderung auf dem Svinafellsjökull. Der Name sieht harmlos aus, ist aber nicht aussprechbar. Dieser Gletscher ist ein Nebengletscher vom großen Vatnajökull. Jedenfalls, Steigeisen auf die Wanderschuhe, Axt in die Hand (zum cool Aussehen) und kurze Einführung in das Laufen mit Steigeisen. Schön kraftvoll trampeln ist meine Kernkompetenz und wenn´s bergauf geht, wie ein Pinguin watscheln. Nicht schön, aber sicher.
Wir haben unendlich viele Bilder vom Eis gemacht, das ganz anders aussieht, als ich es erwartet hatte. Es war viel dreckiger als die Gletscher im Fernsehen, was hier an der Asche liegt, die mit schönster Regelmäßigkeit von Islands Vulkanen ausgespuckt wird und sich dann aufs Eis legt. In einer Eishöhle wiederum war es an den Seiten strahlend blau. Faszinierend.
Überraschend wenig durchgefroren (Funktionskleidung yeah!) hatten wir Sehnsucht danach, endlich mal wieder ein Foss zu sehen und liefen zum Svartifoss. Dort waren uns, Überraschung, zu viele Menschen und wir hörten mal wieder auf den Baedeker. "Je länger und anstrengender die Wanderung, desto weniger Menschen bekommt man zu Gesicht". Also liefen wir noch nicht wieder zurück zum Besucherzentrum, sondern wanderten über den Skaftafellsheidi zum Aussichtspunkt Sjónarnýpa und waren beeindruckt vom Blick auf Skeidararsandur. Unterwegs wurde Janis zum Fotomonster, das ich durch den Fotokurs erschaffen habe, und fotografierte unschuldige Alpenschneehühner. Für die Plackerei belohnt wurden wir mit dem Blick auf den Skaftafellsjökull. Ich hätte stundenlang da oben sitzen können.
Ich muss noch unser aktuelles Hotel erwähnen, dass Fosshotel Nepur, vom Prinzip her aneinander gereihte Container. Es liegt mitten im Nirgendwo mit Blick auf Vatnajökull in die eine Richtung und Blick auf den Lómagnúpur in die andere Richtung. Gerade genieße ich den Blick auf letzteren im Abendrot der fast Mitternachtssonne mit voller werdendem Mond. Heute Nacht wohl keine Schlafmaske.
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