Sunday, October 16, 2011

Vier Bundesstaaten

Bunte Geschichte - 11.10.2011

Ahhhh, endlich keine Großstadt mehr. Keine Ahnung, wieviele Einwohner Northfield, MA, hat, aber es können nicht viele sein. Wovon Northfield auch nicht viel hat, ist Restaurants, die montags oder dienstags geöffnet haben. Also fuhren wir am Abend des 11.10., ein Montag, nach Bernhardston, MA, und gingen ins Four Leave Clover. Einfaches Country Diner, aber gut.

Nach einem reichhaltigen und leckerem Frühstück (Gemüse Frittata und trinkbarer Kaffee), entschieden sich Janis und ich für einen Ausflug in die Geschichte und fuhren nach Deerfield, MA. Dort gibt es ein Open Air Museum namens Historic Deerfield. Entlang der Hauptstraße liegen einige Häuser, die in ihren Urzustand zurückversetzt wurden, so dass man erfahren kann, wie die Bewohner seit 1704 gelebt haben. Da es sich um Originalhäuser und eben keine Nachbauten handelt, entsteht kein Disney Land Effekt, sondern es war sehr spannend. Die i-Tüpfelchen waren das Wetter und die Laubfärbung.

Und da es sich bei Deerfield nicht nur um ein Museumsdorf handelt, sondern um eine Ortschaft, Stadt wäre vermutlich hochgegriffen, dekorieren die Einwohner ihre Häuser entsprechend der anstehenden Feiertage. Das Haus ist echt, bei den Kürbissen bin ich mir nicht sicher.

Von Deerfield aus folgten wir der Empfehlung einer der Museumsführerinnen. Wir fuhren auf den Sugarloaf Mountain und genossen die Aussicht über das Connecticut River Valley. Die sagen zwar alle, dass der Indian Summer bei ihnen schon vorbei sei, aber wir waren beide beeindruckt. Und glücklich.
Und dann landeten wir in einem Laden, den Janis über Google Maps gefunden hatte. Man kann gegen Google sagen, was man will, aber für diesen Fund mag ich den Laden. In Greenfield gibt es das People´s Pint, die ihr eigenes Bier brauen und einfach leckeres Essen anbieten. Die Hühnerflügel (Smoked wings) mit Barbecue Sauce... Oh Gott, was war das lecker. Und die Viecher waren auch noch ökoglücklich, bevor sie auf unserem Teller landeten. Das Bier war laut Janis gut, ich hatte mich leider schon vorab bereit erklärt, uns zurück zu fahren, was für mich bedeutete, dass ich nur genippt habe. Ich versuchte aus der hauseigenen Brauerei ein amerikanisches Nationalgetränk, Root Beer. Das Zeug mag hervorragend gewesen sein, aber ich fand den Geschmack so widerwärtig, dass ich über drei Schlucke nicht hinaus kam. Gott sei Dank gibt es immer Wasser umsonst und in Massen.


Und jetzt Kultur - 12.10.2011

An diesem Tag verabschiedeten wir uns von Massachusetts und fuhren nach Vermont. Wir nahmen aber wie immer nicht den direkten Weg, zum Teil absichtlich, zum Teil bedingt durch eine Dame namens Irene. Die hatte bekanntlich in Form eines Hurrikans Ende August den Nordosten der USA heimgesucht. Dabei hatte sie in Neuengland durch die Unmengen an Wasser, die sie mitbrachte, enorme Schäden verursacht. Auswirkungen hatten wir bereits in Deerfield sehen können, wo das örtliche Inn überflutet wurde und dadurch bis ins nächste Jahr geschlossen ist. Auf unserem Weg nach Vermont mussten wir Umwege fahren, weil Route 2A, besser bekannt als Mohawk Trail, zum Teil gesperrt war. Die Umfahrung hatte aber den Vorteil, dass wir so richtig über die Dörfer geführt wurden, wodurch wir mal wieder schöne Anblicke hatten.

Der absichtliche Umweg führte uns nach Williamstown, MA, kurz vor der Grenze zu Vermont. Dort gibt es das Sterling and Francine Clark Art Institute, ein Kunstmuseum mit Werken vom 14. bis zum 20. Jahrhundert. Bekannt sind sie für ihre Sammlung von Renoirs, von der ein Teil gerade in der Weltgeschichte unterwegs ist, aber noch genug dort hängen, um die Besucher zu beeindrucken. Einige Amerikaner wie John Singer Sargent werden ebenfalls gezeigt. Da wir an dem Tag noch weiter zu unserer nächsten Unterkunft mussten, die wir zu Beginn des Ausstellungsbesuches noch nicht hatten, zwang mich Janis dazu, mein Lustwandeln in der Ausstellung auf knapp zweieinhalb Stunden zu beschränken. Das ist Folter! Weil ich mich aber an das Zeitlimit hielt, bekam ich als Belohnung noch zehn Minuten im Museumsshop.

Im Museumscafe suchten wir uns unsere nächste Unterkunft und verließen uns auf einen Tip im Dumont. Dieser führte uns in die Green Mountains nach Killington, VT. Dort gibt es das Inn at Long Trail, eine Mischung aus Gasthof, Pub und Wandererherberge. Unser Zimmer war klein, aber sauber, und hatte, ein Novum, keinen Fernseher. Die Bar dagegen hatte perfekt gezapftes Guinness und ordentliches Essen. Ein Traum. Und die Leute erst, ein Gesamtkunstwerk.

Also das Wetter hat Entwicklungspotentiel - 13.10.2011

Wir verließen das Inn at Long Trail nach einem umfangreichen Frühstück mit unbeschreiblich guten Buttermilk Pancakes und lokal hergestelltem Ahornsirup in Richtung Woodstock. Von denen gibt es viele, wir fuhren in das in Vermont, liegt gleich um die Ecke von Killington. Auch hier hatte Irene ihre Spuren hinterlassen, aber immerhin hatte sie eine der Covered Bridges stehen gelassen.

Wir liefen im Regen die kleine Hauptstraße entlang und brauchen dafür leider mehr Zeit, als wir von der altmodischen Parkuhr gekauft hatten. Prompt fingen wir uns einen Strafzettel. Diesen mussten wir aber nicht bezahlen, weil bei einem Einkauf in einem der Läden auf der Hauptstraße das Ticket entwertet werden konnte. Ich brauchte noch Batterien für meinen Fotoapparat, traf sich gut.

Wir fuhren weiter durch den Regen und konnten trotzdem beeindruckende Landschaften genießen, hier die Quechee Gorge.

In New Hampshire war unser erster Halt in Enfield, um ein Shaker Dorf zu besichtigen. Es war nur ein kleines Museum, aber trotzdem sehr informativ. Und außerdem idyllisch an einem schönen See gelegen. Wieso erzählt uns eigentlich jeder, dass der Indian Summer bei ihnen schon vorbei sei?



Ein Foto von unterwegs, als wir an einer Covered Bridge anhielten.

Unsere Bleibe für die Nacht fanden wir im New London Inn. Beim Spaziergang vorm Einchecken entdeckte ich dieses Gebäude, ich habe noch nie so viele Blumen an einer Bank gesehen. Zur Krönung befindet sie sich auch noch in der Pleasant Street.

Unser Zimmer hatte eine Badewanne mit Löwenfüßen und wir genossen jeder ein langes heißes Bad. Herrlich erholsam. Abends wurden wir im Restaurant des Inns verwöhnt und im Anschluss ans Essen setzten wir uns in der Lobby an den Kamin und tranken jeder ein Glas Burbon, Jack Daniel´s Single Barrel ist sehr gut trinkbar.

Reisewetter - 14.10.2011

Wir wachten auf und hörten es draußen schütten. Das Wasser kam eimerweise runter und wir fassten den Entschluss, einen langen Reisetag einzulegen. Der Plan war, eine Wegstrecke von 520 km zurückzulegen und nach Bar Harbor im Bundesstaat Maine zu fahren. Wenn schon Wasser, dann wenigstens auch in Form von Meer. Um noch etwas zu sehen, fuhren wir einen Umweg durch die White Mountains. Entweder hatten wir Regen oder wir hatten Regen mit Nebel. Der Regen hatte alle Intensitäten von Hamburger Luft zu Sintflut. Das war besonders gegen Ende der Fahrt unangenehm, als es auch noch dunkel wurde. Wer amerikanische Straßenverhältnisse kennt, weiß, dass das ganz und gar nicht schön ist. Um am Ziel, dieses Mal ein Best Western, nicht auch noch Ewigkeiten nach Essen suchen zu müssen, hielten wir kurz an einem Supermarkt an und besorgten Essbares und eiskaltes Bier. Das erste Bier nach dieser Fahrt schmeckte besonders Janis. Überraschenderweise ist das Bier hier trinkbar, wenn man sich von den üblichen Verdächtigen wie Millers und Bud fernhält. Samuel Adams ist recht gut.

Ach ja, warum Best Western? Es war hier fast unmöglich, ein Zimmer zu bekommen. Bei unser Ankunft fanden wir auch heraus, woran das lag - am Sonntag findet hier der Mount Desert Island Marathon statt. Aber war soll´s, für zwei Nächte ist ein Best Western ok.

Es geht doch, Sonnenschein und Wind - 15.10.2011

Heute hielten wir uns den ganzen Tag im Acadia National Park auf. Und Gott sei Dank entschied sich das Wetter, uns für den gestrigen Tag zu entschädigen, es schien die Sonne, es gab nur ein paar weiße Wölkchen und es blies ein Wind, der den Atlantik ordentlich in Bewegung versetzte.







Und dann fanden wir endlich einen Lobster Shack, der noch nicht wegen Saisonende geschlossen hatte. Lobster Rolls sind tatsächlich so lecker, wie uns erzählt wurde. Weil wir noch nicht genug von Hummer bekommen können, entschieden wir uns auch beim Abendessen dafür. Ist zwar mühsam, zumindest wenn man keine Übung hat, aber die Anstrengung ist es wert, die rotgekochten Schalentiere sind ein Fest.

Nun denn, morgen geht es nach Camden, ME.

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