Thursday, January 15, 2009

Reisebericht und erste Eindrücke

Ein Flug nach Australien dauert so seine Zeit, besonders wenn man wie ich eine Zwischenstation in Seoul einlegt und sieben Stunden auf dem dortigen Flughafen totzuschlagen hat. Der Flug dahin war einfach entspannend, da das Flugzeug nur halb voll war und ich mich so auf einer Sitzreihe ausbreiten konnte. Ich wollte schon schreiben „ausstrecken“, aber so kurz bin ich dann doch nicht.

Jedenfalls, der Seouler Flughafen war ein Erlebnis. Also zum einen ist es in Asien tatsächlich immer noch so, dass Menschen zum Teil mit Gesichtsmasken durch die Gegend laufen. Dann zeichnen sich die Angestellten in den zahlreich vorhandenen Duty Free Geschäften durch eine Dienstbereitschaft aus, die mich an Berliner Verhältnisse gewöhnte Einkäuferin nur mit dem Kopf schütteln ließ. „Hi, you like? Only (mit Schallgeschwindigkeit werden ein paar Tasten auf dem immer bereiten Taschenrechner gedrückt) ... Dollars.“ Mit südkoreanischen Wons kann man aufgrund des absurden Wechselkurses nämlich beim besten Willen nichts anfangen.

Da aber auch dieses Schauspiel irgendwann nicht mehr den Unterhaltungswert besaß, mir die gesamte Wartezeit zu vertreiben, stürzte ich mich auf die vorhandenen Steckdosen deutscher Bauart und nutzte ausgiebigst das überall zur Verfügung stehende Internet. Aufgrund des Betriebsausfalls meines Apfels hatte ich immensen Nachholbedarf.

Für besondere Erheiterung sorgten bei mir die Glaskäfige für Raucher (ich habe sie nicht fotografiert) und dieser Ort bayrischer Gemütlichkeit.


Der Flug von Seoul nach Sydney war leider nicht mehr ganz so gemütlich, da er komplett ausgebucht war und ich mit der Bein“freiheit“ in der Economy vorlieb nehmen musste. Allerdings wurde der Flug dann doch noch fast gut, als sich mein Sitznachbar als Schwabe herausstellte, der vor drei Jahren seiner australischen Freundin wegen nach Sydney gezogen ist und auf dem Rückweg vom Heimaturlaub war. So hatte ich dann jemanden zum gelegentlichen Schnacken und vor allen Dingen eine helfende Hand bei der Einreise nach Australien. Ähnlich wie bis vor kurzem bei der Einreise in die USA muss man nämlich so ein Kärtchen mit absurden Fragen beantworten wie „bringen Sie Erde mit, beispielsweise an Schuhen?“. Von wegens Quarantäne und so.

Wahrheitsgemäß gab ich die kleinen Schokoladentäfelchen an, die ich mir für den kleinen Hunger und als Seelenstärkung eingepackt hatte. Die freundliche Dame bei der Kontrollschlange fragte dann auch, ob ich irgendetwas angekreuzt habe. Meine Schokoladenantwort und der Blick auf meinen deutschen Pass führte dazu, dass ich durchgewunken wurde, offensichtlich stellen schokoverliebte Deutsche keine Gefahr für die australische Flora und Fauna dar.

Am Ausgang wurden mein Koffer und ich von meiner ehemaligen Jamba Kollegin Ulli in Empfang genommen, die ebenso wie ich ihre Wahlstation in Sydney ableistet. Leider waren das versprochene Banner und die Luftballons nicht zu sehen, wir haben da noch Klärungsbedarf.

Eine Taxifahrt später klopfte ich an die Tür zu meinem Zuhause für die kommenden elf Wochen. Geöffnet wurde mir vom Haushund Ali (groß, schwarzes Fell, 15 Jahre alt, verschmust, Labrador Ridgeback Mischung) und Gilles, einem französischen Segelbegeisterten, der noch bis nächste Woche im Haus ist. Nach einer Dusche (hat die gut getan) und einer kleinen Wegbeschreibung von Gilles begaben sich Ulli und ich in Richtung lokales Großeinkaufszentrum, um mich mit wichtigem wie Shampoo, Duschbad und Lebensmitteln zu versorgen. Da ich nach dem langen Flug Bewegung wollte, begaben wir uns zu Fuß dorthin. Wahnsinnig gute Idee bei Temperaturen um die 30 Grad Celsius und brennender Sonne. Egal, überleben ist alles.

Am Abend nach einem heftigen, für Abkühlung sorgenden Gewitter machten sich Gilles und ich auf den Weg zum Strand, Tamarama Beach, der in knapp 10 Minuten Laufentfernung vom Haus liegt. Der Hinweg ist deutlich angenehmer als der Rückweg, denn der Strand liegt am Ende einer sehr langen, sehr steilen Treppe. Und nun kann ich sagen, richtig im Pazifik gewesen zu sein, bei traumhaftem Wellengang.



4 comments:

  1. Und wieviele Stufen hat die Treppe? Du bist doch Kummer gewöhnt.

    Ich wünsche Dir eine wunderschöne Zeit.

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  2. Sprechen wir von einer Treppe a lá Spitzhaus in Radebeul? Dann hast Du mein MItleid.

    Um die Temperaturen beneide ich Dich nicht - wir hatten hier immerhin gestern so echt englischen Fog, daß man Sherlock Holmes hätte drehen können - aber der Strand ... von dem hätte ich gern noch mehr Fotos.
    Gutes Eingewöhnen, Kleene. Und beschreib doch bitte mal die Supermärkte.

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  3. Guten Start noch und vieeeellll Spass!
    während Du gut in Down Under angekommen bist, sitze ich noch in Genf am Flughafen und hoffe dass nicht noch weitere Verbindungen nach Berlin gestrichen werden.
    Den Trick mit der Festnetznummer kannst Du mir bei Gelegenheit mal verraten :-).
    In welchem Stadtteil liegt denn Deine Unterkunft?

    Also wir sehen uns dann voraussichtlich am 30. März in Sydney!

    Grüsse
    Martina

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  4. Tach Süße,
    ich weiß nicht, was an einer Treppe so aufregend sein soll. Wer Stufen mag, kann uns ja mal in den Müggelbergen besuchen. Auf unserem Müggel-Pazifik konnte man kürzlich sogar wandeln!
    Viel spannender finde ich Ali. Wir erwarten dich dann Hunde-erprobt zurück. Ist Ali noch rüstig? Das ließe uns für Elli hoffen!
    Übrigens: Familienzuwachs ist da.
    FF, Grüße vom alten Kontinent, BAMS+E

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