Saturday, January 24, 2009

Alltag, oder sowas in der Art

Zunächst einmal alles Liebe an die Geburtstagskinder des heutigen Tages, Sera und Lea. Feiert schön! Ich stoße mit australischem Wein auf Euch an.

Wenn ich mir im Internet die Berliner Temperaturen so ansehe, darf ich mich über die hiesigen klimatischen Bedingungen vermutlich nicht beschweren, aber 41 Grad mit dem Zusatz „extremely hot“ darf ich schon als ein wenig warm bezeichnen, oder? Dazu Sonnenschein, der die Aufschrift „SPF 30+“ auf meiner Sonnencremetube ganz vernünftig aussehen lässt. (Mittlerweile ist es Abend und wir haben dank eines Wetterumschwungs mit heftigem Wind nur noch 25 Grad.)

Am Montag um 09.30 Uhr begann mein Arbeitsleben hier. Ich habe es geschafft, adrett gekleidet im Hosenanzug (schwarz mit Nadelstreifen, meine Mitbewohnerin Kim hielt ihn für einen Armani Anzug, Mama, wir waren gut einkaufen) pünktlich im Büro aufzuschlagen, nur um zu erfahren, dass bei Sprusons der gesamte Januar Casual January ist. Yippieh, damit sah ich zwar am ersten Tag extrem overdressed aus, dafür habe ich es in der restlichen Woche genossen, mit Flip Flops durchs Büro zu watscheln.

Eine andere großartige Einrichtung im Büro ist altmodischer Art. Jeden Tag um 09.45 Uhr und 13.45 Uhr kommt Robin mit einem Tea Trolley! Das ist ein Wagen, auf dem Tee, „Kaffee“ (Instantkram, also muss ich das in Anführungszeichen setzen) und verschiedene, pro Tag wechselnde Kekse durch die Gegend befördert werden. Tea Trolleys werden in Büros mehr und mehr abgeschafft, weil sie wohl zu viel Geld kosten. Dafür ist die Versorgung mit Tee, Keksen und Freundlichkeit Grundvoraussetzung fürs Arbeiten! Wann immer ich also ein schepperndes Rollen und die Worte „I bring tea“, höre, stürme ich wie die anderen aus meinem kleinen Büro auf den Gang und lasse mir meinen Becher füllen. Robin weiß auch, wie man sein Getränk haben möchte, da reichte die erste Bestellung aus und seitdem bekomme ich starken Schwarzteesud, aufgegossen mit heißem Wasser und Milch. Dafür komme ich sogar frühzeitig aus meiner Mittagspause zurück.

Mein Büro liegt in der 31 Market Street in Sydney, falls jemand mittels Google Street View sehen möchte, wie der Eingang aussieht, für irgendwas muss dieses Überwachungsspielzeug gut sein. Meine Abteilung befindet sich in der 23. Etage mit Blick Richtung, grob gesagt, Süden. Ich kann von meinem Büro aus die Einflugschneise der Flugzeuge nicht nur sehen, sondern vor allem auch hören. Sind angenehme Nebengeräusche, während ich meine Aufgaben bearbeite. Denn arbeiten tue ich tatsächlich, es ist nicht die Sorte von Station, wo ich mich langweilen werde. Eine der Anwältinnen, Silke, gab mir freudestrahlend an meinem ersten Tag eine Aufgabe, die mich noch bis nächste Woche beschäftigen dürfte, und mein Ausbilder hat mir auch schon eine Akte reingereicht, die mit meinem anderen Arbeitgeber zu tun hat. Wäre ja auch dumm, wenn er meine Erfahrungen dort nicht nutzen würde.

Leider haben sie mir die älteste Rechenmaschine hingestellt, die man noch mit dem Wort Computer bezeichnen kann, und für den Bildschirm brauche ich eine Lupe. Zu dumm, dass ich meinen Apfel nicht ins Büro mitbringen... Egal, für elf Wochen reicht es und außerdem werde ich von diesen elf Wochen auch noch ein, zwei Wochen Urlaub abziehen können, wenn es gut läuft. Ich weiß, es zeugt nicht gerade von Motivation, jetzt schon an Urlaub zu denken, aber ich bin absehbar nur einmal hier, also will ich mehr als nur Sydney sehen.

Zurück zur Arbeit beziehungsweise nun zum Feierabend. Dieser wurde mir am Montag durch ein Barbecue versüßt, welches Kim und Dave als Abschied für Gilles organisiert hatten, der allerdings im Februar noch einmal für drei Tage da sein wird. Gilles und ich schnibbelten Salate und Gemüse für Dips zurecht, während Dave als gelernter Koch das Kommando am Grill übernahm:



Habe bei dieser Gelegenheit das erste Mal Kängurusteak gegessen, das Fleisch ist wirklich lecker, geht ein wenig in Richtung Kalb, aber intensiver und vor allem im Vergleich dazu auch zäher. Kim hatte Ulli bereits kennen gelernt und sie auch eingeladen, so dass wir in einer gemütlichen Runde beisammen saßen. Später am Abend griff Kim eine frühere Idee von Gilles und mir auf und wir beschlossen, noch eine Runde an den Strand zu gehen. Herrlich, sich um 22 Uhr ins Wasser stürzen zu können.

Und ins Wasser stürze ich mich meist auch, wenn ich aus dem Büro nach Hause komme. Daran könnte ich mich wirklich gewöhnen.

Das war es erstmal für heute. Halt, eine Sache habe ich noch, im wahrsten Sinne des Wortes:



So einen Hut (The Original Australian Bush Hat aus Känguruleder) wollte ich unbedingt haben und gestern habe ich einen entsprechenden Laden gefunden. Er wird hoffentlich am Montag ordentlich zum Einsatz kommen, denn da werde ich nicht ins Büro gehen, sondern mit dem Rest der feierwütigen Menge Australia Day begehen. Der Grobplan ist, sich vormittags das Ferryboatrace im Hafen anzusehen und dann am Abend das Feuerwerk über der Harbour Bridge, welches noch beeindruckender sein soll als das zu Silvester. Ich werde es hoffentlich sehen und darüber berichten.

1 comment:

  1. Hi Franz,
    freut mich, dass du da unten Spaß und Sonne hast! Bei uns scheint zwar ab und zu auch mal die Sonne, aber die Temperaturen stimmen einfach nicht, ganz besonders reicht es nicht für ein Bad am Feierabend, hier evtl. in der Spree ;o)
    Ansonsten: Viel Spaß beim Feiern am Australia Day, vergiss nicht das Feuerwerk zu fotografieren!
    LG Anna
    PS: Wehe, ich sehe dich dann in Berlin ohne den Hut! :o)

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